Bend

Andreas Vater

Ein Dialog zwischen digitaler und analoger Gestaltung in Theorie und Praxis

Der intelligente Computer und der Mensch mit seinen handwerklichen Fähigkeiten stellen zwei mögliche Stellvertreter von digitaler und analoger Gestaltung dar. Beide Techniken beinhalten interessante, aber kontrastierende Grundprinzipien, wobei gerade diese Gegensätzlichkeit spannende und neue Perspektiven für eine kooperative Gestaltung eröffnet.
In dieser Bachelorthesis wird untersucht, wie sich die beiden Disziplinen in ihren unterschiedlichen Qualitäten ergänzen und bereichern können, sodass zwischen ihnen ein interaktiver Gestaltungs-Dialog entsteht, bei dem beide Parteien einen gleichwertigen Beitrag zum Endergebnis leisten.

Co-Creation – Die Theorie

Die Voraussetzung einer solchen Co-Creation stellt die Gleichwertigkeit der Dialogpartner dar. Damit diese Bedingung erfüllt werden kann, müssen Computer und Mensch gleichzeitig an der Gestaltung eines Objekts arbeiten. Indem die beiden Akteure, auf Basis der ihnen zugrunde liegenden Fähigkeiten und Qualitäten, abwechselnd Veränderungen in die Gestaltung eines Objektes einbringen, erfordern sie darauf jeweils eine sofortige Antwort des Gegenübers. So entsteht ein lebendiger Gestaltungs-Dialog, bei dem beide Parteien einen in etwa gleichwertigen Anteil zum Endergebnis beisteuern. Darüber hinaus können auf diese Weise neue Bedeutungsebenen in das Objekt eingebracht sowie sichtbar gemacht werden. Diese Theorie wird in der Thesis anhand des keramischen Gestaltungsprozesses veranschaulicht.

Co-Creation – Die Problematik

Allerdings bedeutet die Gleichwertigkeit der Partner auch, dass sich der Rechner als künstliche Intelligenz, und der Mensch als schöpferischer Geist und Handwerker, auf Augenhöhe begegnen müssen. Der Computer ist derzeit aber noch in der Rolle des (menschlichen) Werkzeugs gefangen und somit kein ebenbürtiger oder schöpferisch fähiger Partner im dialogischen Gestaltungsprozess. Erst, wenn das Potenzial des Rechners entsprechend ausgeschöpft und eingesetzt wird, kann er seine Werkzeug-Hülle verlassen und zu einer aktiven Einheit in der Gestaltung heranwachsen.

Bedeutung und praktischer Übertrag

Diese Erkenntnis zeigt, dass ein co-kreativer Gestaltungsdialog zum derzeitigen Stand der Technik nicht zielführend ist, auch wenn beide Disziplinen stark davon profitieren würden. Somit bleibt die praktische Umsetzung eines solchen Gestaltungsprozesses ein erstrebenswertes Ziel, weshalb der praktische Teil der Arbeit an diese Erkenntnisse anknüpft.

Die Sitzmöbelserie „Bend“ besteht aus drei Stuhlvarianten, die ihre Stabilität durch gefaltete Blechstrukturen erhalten. Sie wurden so entworfen, dass Mensch und Maschine im Gestaltungsprozess die Rollen einnehmen, bei denen ihre jeweiligen Qualitäten am besten zum Vorschein kommen. Auf diese Weise unterstreicht die Sitzmöbelserie die Vorteile beider Techniken und ruft damit zu einer baldigen Umsetzung der Co-Creation auf. Denn das Digitale und das Analoge benötigen sich gegenseitig, um gemeinsam neue Wege beschreiten zu können.